|
|
|
|
| Warum wir den Wald zum
Atmen brauchen |
| |
|
| |
Wälder spenden Sauerstoff,
filtern Schadstoffe aus der Luft und sorgen im Sommer
für eine kühle Brise. Gründe genug,
den Wald rund um den Flughafen nicht anzutasten,
meint der Förster Holger Scheel.
„Zu meinen besonderen Interessen
gehören seltene Bäume“, erzählt
Holger Scheel. „Die ziehe ich im Pflanzgarten
groß und setze sie dann wieder in den Wald.“
Zu diesen Bäumen gehört die Flatterulme.
Sie wächst in Flusstälern und hält
bis zu 100 Tagen Hochwasser im Jahr aus. Weil Flüsse
heute künstlich eingezwängt und die Flusstäler
bebaut werden, ist die Flatterulme rar geworden.
Holger
Scheel ist Revierförster in Frankfurt Schwanheim
und Sprecher des Arbeitskreises Bannwald der Industriegewerkschaft
Bauen Agrar Umwelt (IG BAU). Er ist Spezialist für
Naturschutz im Wald und macht viel Öffentlichkeitsarbeit:
Führungen und Veranstaltungen. So klärt
er die Menschen z.B. darüber auf, was ein Bannwald
eigentlich ist. „Früher bedeutete das,
dass nur der adelige Waldbesitzer im Bannwald Bäume
fällen und Tiere jagen durfte“, sagt
er. „Damals wie heute heißt Bannwald:
Finger weg Heute geht es dabei um Wälder, die
wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Umwelt
erhalten bleiben sollen.“
Der Frankfurter Stadtwald ist so
ein besonderer Wald. Er verfügt über eine
beachtliche Tier- und Pflanzenvielfalt. Aber auch
für die Menschen ist er von unschätzbarem
Wert. Und doch könnte er für einen Flughafenausbau
kaputtgemacht werden. „Der Schwanheimer Wald
liegt zwischen der Stadt und dem Flughafen. Aus
diesem Grund ist er von Schienen und Straßen
zerschnitten“, zeigt der Förster auf
dem Plan an der Wand. Würde der Flughafen ausgebaut
werden, würde nicht nur ein großes Stück
Wald durch die neue Landebahn verlorengehen. Zusätzlich
dazu würden die Straßen und Schienen
zwischen Flughafen und Stadt wachsen.
„Wenn man zu Fuß durch
den Wald geht, stößt man immer wieder
auf Barrieren, und dann muss man nach Brücken
oder Unterführungen suchen“, erläutert
Holger Scheel. „Den Tieren geht es genauso.
Die Vögel fliegen darüber, aber die Säugetiere
werden oft überfahren. Auf der A5 haben sie
kaum Chancen, es über den Mittelstreifen hinaus
zu schaffen.“
|
| |
|
| |
Gerade
in dem Ballungsgebiet Rhein-Main und bei der Großstadt
Frankfurt müssen Wälder erhalten bleiben.
„Wir atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus.
Bei Pflanzen ist es genau umgekehrt. Irgendwo muss
die frische Luft für die Stadt ja herkommen.
Sie kommt aus dem Forst.“ Zudem reinigen die
Bäume auch die Luft, filtern den Staub heraus.
Und im Rhein-Main-Gebiet werden sehr viele Schadstoffe
in die Luft geblasen, die nicht nur als saurer Regen,
sondern auch als unsichtbares Dauerrieseln wieder
herunterkommen. Man bemerkt das nur selten, z.B. wenn
man Staubschichten auf Blättern entdeckt. Auf
Autos, die eine zeitlang gestanden haben und dann
feucht werden, bildet sich durch den Niederschlag
ein schmutziger Film. |
| |
|
| |
Der Wald sorgt
auch für den Temperaturausgleich der Stadt, besonders
bei der immer extremer Hitze im Hochsommer. „Durch
die zugepflasterten Straßen und die aufgeheizten
großen Gebäude wird es in der Stadt im
Sommer fast schon tropisch“, berichtet Förster
Scheel. „Dann steigt heiße Luft nach oben.
Von den Seiten kann anschließend Luft nachfließen:
Im Süden Frankfurts kommt die kühle Luft
aus dem Stadtwald, im Norden aus dem Taunus.“ |
| |
|
| |
Bis jetzt fungieren die
Bäume auch noch als natürlicher Lärmschutzwall
gegenüber Autobahn, Flughafen und Eisenbahn.
In der Höhe von Kelsterbach, „wo schon
alles abgehackt wurde“, musste man stattdessen
hohe Betonwände errichten, die irgendwie an die
Berliner Mauer erinnern. |
| |
|
| |
Die wichtigste Funktion
des Stadtwaldes sieht Holger Scheel allerdings in
der Naherholung. Gerade in einer Stadt, wo man ständig
von Lärm umgeben ist, sollte der Wald nicht weiter
dezimiert – und durch weitere Flugschneisen
und Infrastrukturen mit Lärm belastet werden.
Der Forst wird von den Städtern emsig besucht,
und immer mehr Kindergärten nutzen den Wald gezielt,
um den Großstadt-Kids einen Ausgleich zu bieten.
„Wenn es in der Nähe nichts mehr gibt,
muss man mindestens in den Odenwald oder den Taunus
fahren“, sagt Holger Scheel. „Das führt
wieder zu Mehrbelastung – auch für die
Gebiete, in die man fährt.“ |
| |
|
| |
Schließlich dient
der Frankfurter Forst auch der Trinkwassergewinnung
für die Stadt. Allerdings deckt er nur ein Drittel
des Gesamtbedarfs. Der Rest kommt aus dem Spessart,
dem Vogelsberg und dem Ried. „Daran wird deutlich,
dass wir eigentlich mehr Wald bräuchten und nicht
weniger“, schlussfolgert der Revierförster. |
| |
|
| |
top |
|
|
|