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| „Keine Startbahn
West“ |
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Von
den ersten Schritten der Flughafenausbau-
gegner, bis zur Bildung einer gesellschaftlichen Massenbewegung.
Wie alles begann... |
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Der
Weg der Instanzen
Schon in den frühen 60er Jahren, hegte
die Fraport AG, damals die Flughafenaktiengesellschaft
(FAG), Pläne zur Erweiterung des Rhein-Main
Flughafens über ihr Gebiet hinaus. Aufgrund
steigender Flugbewegungen, schienen ein neues Terminal
und eine weitere Start- bzw. Landebahn unverzichtbar.
Auch den angrenzenden Bürgern blieb die Entwicklung,
insbesondere durch den stetig steigenden Lärmpegel
nicht verborgen. Um den engagierten Pfarrer Kurt
Oeser aus Mörfelden gründete sich daraufhin
die erste Bürgerinitiative der
BRD. Die Interessensgemeinschaft gegen Fluglärm.
Später folgte die überregionale Aktionsgemeinschaft
Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung
Frankfurt Main. Ihnen ist es unter anderem
zu verdanken, dass rechtliche Einsprüche von
Bürgern und Gemeinden, die Gerichte rund um
die Planfeststellungsverfahren von 1968 und 1971
für Monate, sogar Jahre beschäftigten.
Trotz aufkeimender Hoffnung, die Erweiterung durch
die Instanzen verhindern zu können, fällte
das Bundesverwaltungsgericht am
7. Juli 1978 ein Urteil zugunsten der FAG. Mit dem
Bau konnte nun jeden Tag begonnen werden.
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Bürger wehren sich
Nunmehr juristisch gestärkt,
begann die FAG mit dem Roden eines 303 Hektar großen
Waldstücks. Zu Ostern 1979 wurden die Proteste
der Startbahngegner immer gewaltiger und offensiver.
Bis zu 4.000 Menschen nahmen an Demonstrationen
und Waldspaziergängen teil. Laut Polizei war
ein neue Demonstrationstyp geboren.
Nicht langhaarige Hippies und sozialistische Studenten,
sonder Mütter, Väter, Handwerker, Rentner,
Ärzte und viele andere stellten sich gegen
die Pläne der FAG.
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Die ersten Bäume fallen
Am 5. Mai 1980 setzte
das Aktionsbündnis ein erstes festes Symbol
für den gewaltfreien Widerstand der Region.
Um fünf Uhr morgens trafen sich duzende BI`ler
im Flörsheimer Wald und errichteten in schweißtreibender
Arbeit und unbemerkt von Polizei und FAG die BI-Hütte.
Begeistert besuchten viele Bürger die Hütte
im Wald.
Die entstandene Euphorie wurde jedoch durch das
endgültige Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtes
gestört. Der Bau war nun rechtlich nicht mehr
zu verhindern.
Noch im Oktober begann die FAG mit der Abholzung
von 7 Hektar Mischwald. Während die Holzfäller
anfangs an der Entschlossenheit der Aktivisten scheiterten,
gelang die spätere Rodung nur unter schwerem
Polizeieinsatz.
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Staatsgewalt
Entrüstet über
das harsche Vorgehen gegen friedliche Demonstranten
fanden sich wenige Wochen später fast 15.000
Menschen in Walldorf zu einer Großdemonstration
ein. Diese strömten später in den Wald
und hielten an der BI-Hütte einen Gottesdienst
ab. Währenddessen begannen Dauerbesetzer weitere
Hütten zu bauen. Das sog. Hüttendorf
im Flörsheimer Wald entstand (ca. 60 Hütten).
Am 5. Oktober beschlossen die Startbahngegner den
gerodeten Bereich zu besetzen. Mehrere Tausend Demonstranten
harrten dort für Tage aus. Erst am blutigen
Sonntag wurde die Demonstration der mittlerweile
10.000 Aktivisten von Polizei und SEK zerschlagen.
Opfer waren keine Gewalttäter, stattdessen
Frauen, Kinder, Rentner usw...
Nun schlug die letzte Stunde des Hüttendorfs.
Am 4. November 1981 begann die Räumung durch
die Polizei. Zwar war bekannt, dass eine Räumung
bevor stand, doch den Einsatzkräften gelang
es, die Dorfbewohner zu überrumpeln. Das Dorf
sicherte man mit Natodraht und herbeieilende Startbahn-
gegner und BI`ler wurden von Polizisten und Tränengas
begrüßt.
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Die Massenbewegung setzt
sich nicht durch
Wut, Zorn und Enttäuschung
stand vielen ins Gesicht geschrieben. Dennoch, man
gab sich nicht geschlagen. Für die nächste
Großdemonstration wurde eine neue Widerstandsform
beschlossen. Der Nackten-Samstag mit
mehr als 30.000 Demonstranten erregte aufgrund der
symbolischen Besetzung des Bauplatzes durch 60 Gegner
mit nacktem Oberkörper und erhobenen Händen
Aufmerksamkeit. Eine weit größere Demonstration
mit 150.000 Teilnehmern fand daraufhin in Wiesbaden
statt. Am Innenministerium angelangt, wurden die
gesammelten 220.249 Unterschriften übergeben.
Tags darauf blockierten viele der Demonstranten
den Autobahnzubringer des Flughafens. Nach schweren
Angriffen durch die Polizei, entwickelte sich daraus
eine Autobahnblockade von mehreren Stunden. Doch
der Höhepunkt der Massenbewegung endete mit
der Unzulässigkeitserklärung des Volksbegehrens.
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Die Zerstörung der Vernunft
Bis zur Fertigstellung des Betonzauns rund
um das gerodete Baugelände gab es weitere vielfältige
Aktionen. Die BI`s initiierten die Sonntagsspaziergänge
als neue Protestform. Hier kam es immer wieder zu
Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und autonomen
Demonstranten. Militanten Aktivisten gelang es immer
wieder Schäden an Strommasten und am Betonzaun
zu verursachen (Guerillataktik). Die Spaltung der
Bewegung in gewaltlose und militante Aktivisten
war vollzogen. Auch nach der Inbetriebnahme der
Startbahn, am 12. April, blieben die Sonntagsspaziergänge
als regelmäßige Aktionsform bestehen.
Dennoch: Am 4. November 1987 wurde der Untergang
der Bewegung eingeläutet. Während der
Demonstration zum 6. Jahrestag der Hüttendorfräumung
fallen Schüsse in Richtung der Polizei. Zwei
Beamte sterben an ihren Verletzungen. Durch die
Schüsse gerechtfertigt, schwappte eine immense
Repressionswelle über die Startbahngegner (egal
ob BI, Naturschützer oder Autonome) im Rhein-Main-Gebiet.
Nach unzähligen Hausdurchsuchungen, Verhaftungen
und Denunziationen war die Bewegung völlig
erschöpft und innerlich zersplittert. Nur noch
der harte Kern der betroffenen Gebiete hält
bis heute der Fraport stand. Dies soll sich jedoch
wieder ändern.
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Quellen
Broschüre:
Für ein lebenswertes Rhein-Main-Gebiet: NEIN
zum Flughafen-Ausbau
Bündnis der Bürgerinitiativen –
Kein Flughafenausbau. Für ein Nachtflugverbot
von 22.00 bis 6.00 Uhr.
www.flughafen-bi.de
Bücher:
„Keine Startbahn West“ Argumente, Bilder
und Berichte ISBN 3-88534-306-1
Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung
Frankfurt am Main
1981 Verlag 2000, Ludwigstraße 33,
Postfach 591, 6050 Offenbach 4
Startbahn 18 West – Bilder einer Räumung
ISBN 3-921982-19-7
Marianne Himmelheber und Klaus Philip 1981
Minotaurus Projekt, Ploenniesstr. 8, 6100 Darmstadt
Das Dorf im Flörsheimer Wald
– Eine Chronik vom alltäglichen Widerstand
gegen die Startbahn West ISBN 3-472-61368-8
Hermann Luchterhand Verlag GmbH & Co. KG 1881
Darmstadt und Neuwied
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